Hingabe und das dreifache Opfer

„Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer; das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“
Römer 12,1

Einleitung

Hingabe ist ein großes Wort. Es klingt nach radikalem Verzicht, nach geistlicher Überforderung oder nach einem Ideal, das nur für besonders reife Christen erreichbar scheint. Und doch steht Hingabe im Zentrum des christlichen Lebens. Nicht als heroische Einzelleistung, sondern als Antwort auf Gottes Erbarmen.

Das Neue Testament spricht auffallend konkret von Hingabe – und benutzt dafür immer wieder die Sprache des Opfers. Nicht mehr im kultischen Sinn des Alten Bundes, sondern geistlich, alltagsnah und zutiefst lebenspraktisch. Drei Stellen zeigen uns dabei eine erstaunliche Tiefe: das Opfer unseres Leibes (Röm 12), das Opfer des Lobes und das Opfer der praktischen Gaben (Hebr 13).

Zusammen ergeben sie ein dreifaches Opfer – ein ganzheitliches Bild dessen, was wahre Hingabe bedeutet.


1. Das Opfer des Leibes – Hingabe des ganzen Lebens

„…dass ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer…“
Römer 12,1

Paulus beginnt nicht mit Gefühlen, nicht mit besonderen geistlichen Erfahrungen, sondern mit unserem Leib. Mit unserem ganz konkreten Leben: Zeit, Kraft, Fähigkeiten, Entscheidungen, Beziehungen, Alltag.

Bemerkenswert ist: Das Opfer ist lebendig. Hingabe im Neuen Testament bedeutet nicht Rückzug aus der Welt, sondern ein Leben mitten im Alltag – aber Gott zur Verfügung gestellt. Der Leib steht hier für die Gesamtheit unseres Daseins.

Hingabe heißt also nicht: Ich gebe Gott etwas von mir.
Sondern: Ich gehöre Gott – mit allem, was ich bin.

Paulus nennt das einen „vernünftigen Gottesdienst“. Hingabe ist keine emotionale Überforderung, sondern eine logische Antwort auf Gottes Barmherzigkeit. Wer verstanden hat, was Christus getan hat, kann gar nicht anders, als sich selbst hinzugeben.


2. Das Opfer des Lobes – Hingabe der Lippen

„Durch ihn nun lasst uns Gott allezeit ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.“
Hebräer 13,15

Hingabe bleibt nicht stumm. Sie findet Ausdruck – durch Worte, durch Bekenntnis, durch Anbetung. Der Hebräerbrief spricht hier bewusst vom Opfer des Lobes.

Lob ist nicht selbstverständlich. Besonders dann nicht, wenn Umstände dagegen sprechen. Gerade deshalb nennt die Schrift es ein Opfer. Lob kostet etwas: Stolz, Kontrolle, manchmal auch Schmerz.

Dieses Opfer ist die „Frucht der Lippen“. Was unser Herz erfüllt, kommt zum Ausdruck. Hingabe zeigt sich darin, wem wir Ehre geben, wovon wir reden, was wir bekennen – auch und gerade dann, wenn es uns etwas kostet.

Ein hingegebenes Leben ist kein stilles Leben. Es ist ein bekennendes Leben.


3. Das Opfer der Gaben – Hingabe im Handeln

„Wohltätigkeit aber und Mitteilung vergesst nicht; denn an solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen.“
Hebräer 13,16

Der Hebräerbrief bleibt nicht bei Worten stehen. Lob ohne Liebe bleibt leer. Deshalb folgt unmittelbar das dritte Opfer: das Opfer der praktischen Gaben.

„Wohltätigkeit und Mitteilung“ meint ein offenes Herz und offene Hände. Zeit teilen. Ressourcen teilen. Aufmerksamkeit teilen. Verantwortung übernehmen.

Auch hier spricht die Schrift wieder von Opfern. Praktische Hingabe ist selten bequem. Sie kostet uns etwas – Geld, Komfort, Zeit, Energie. Und doch heißt es: An solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen.

Hingabe wird sichtbar im Alltag. Dort, wo Liebe Gestalt annimmt.


Das dreifache Opfer – ein ganzheitliches Bild

Diese drei Opfer gehören untrennbar zusammen:

  • Der Leib – mein ganzes Leben gehört Gott.
  • Die Lippen – mein Mund bekennt seine Ehre.
  • Die Gaben – meine Hände dienen anderen.

Hingabe ist nicht ein einzelner geistlicher Akt, sondern eine Lebenshaltung. Sie umfasst Denken, Reden und Handeln. Innen und außen. Sonntag und Alltag.

So wird aus dem Opfer kein Verlust, sondern ein Weg in die Freiheit. Denn Hingabe bedeutet nicht, sich selbst zu verlieren – sondern in Gottes Willen das wahre Leben zu finden.


Schlussgedanke

Das Weizenkorn fällt nicht zufällig in die Erde. Es gibt sich hin – und gerade darin liegt die Verheißung von Frucht.

Hingabe ist kein Ziel für die Starken, sondern eine Einladung an alle, die Gottes Erbarmen gesehen haben. Ein Leben, das sich Gott darbringt, wird zum Ort seiner Gegenwart – und zur Quelle des Segens für andere.

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Autor: Weizenkorn

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