Gottes hohe Berufung
In den vorangegangenen Beiträgen haben wir die hohe Berufung des Menschen durch seinen Schöpfer betrachtet. Doch der Mensch versagte und wandte sich von Gott ab, wodurch er in große Not und Schwierigkeiten geriet. Gott gab ihn jedoch nicht auf. Vielmehr bereitete er einen wunderbaren Weg der Rettung durch seinen Sohn Jesus Christus.
Durch den Glauben an seinen Namen können wir zu unserer ursprünglichen Bestimmung zurückkehren – jener Bestimmung, die Gott bereits bei der Erschaffung des Menschen festgelegt hatte: „Lasst uns den Menschen machen in unserem Bild, nach unserer Gleichheit, die herrschen über die ganze Erde.“
Dieses hohe Ziel wird Gott am Ende der Tage mit denen erreichen, die seinem Ruf folgen und sich gemeinsam mit allen, die ihm gehören, zur Gemeinde Jesu aufbauen lassen. Diese große Vision wurde dem Apostel Johannes gezeigt und von ihm im Buch der Offenbarung festgehalten. Er sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel auf die Erde herabkommen.
Diese Stadt besteht nicht aus gewöhnlichen Materialien; sie stellt vielmehr die Braut des Lammes dar, die ganz für ihren Bräutigam Jesus bestimmt ist und durch die er die Erde heilen und regieren wird. Der Aufbau dieser Stadt geschieht bereits heute in der Gemeinde – in der Gemeinschaft der Gläubigen, die Jesus aus allen Nationen herausgerufen hat, damit sie ihm gehören.
Unser Zustand
Dies ist die Vision. Doch wie sieht unsere Erfahrung heute aus? Die Christenheit ist in viele Gruppen und Denominationen zerspalten und hat oftmals kaum noch ein Bewusstsein dafür, wie sehr dieser Zustand dem Willen Gottes widerspricht. Um dem Plan Gottes zu entsprechen, müssen wir diese Spaltung überwinden. Doch wie kann das geschehen?
Die Vision von Christus mitten unter den goldenen Leuchtern
Zu Beginn des Buches der Offenbarung empfing Johannes eine bedeutende Vision. Jesus Christus erschien ihm inmitten von sieben goldenen Leuchtern – in einer Gestalt, die ihm völlig fremd und überwältigend war: mit Augen wie Feuerflammen, Füßen wie glänzendes Erz und einem Angesicht, das leuchtete wie die Sonne.
Jesus offenbarte sich Johannes in seiner Herrlichkeit, mitten zwischen sieben goldenen Leuchtern. Was bedeutet dieses Bild? Jesus selbst erklärt es ihm:
„Die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden.“ (Offb 1,20)
Für sie sollte Johannes alles aufschreiben, was ihm gezeigt wurde. Hier erkennen wir, welch zentrale Bedeutung die Gemeinden heute haben. Das Verlangen, das Denken und Trachten des verherrlichten Menschensohnes sind ganz auf seine Gemeinden – die goldenen Leuchter – ausgerichtet. Um sie geht es ihm, und an sie richtet er sein Wort.
Ein Ort, ein goldener Leuchter, eine Gemeinde
Gleichzeitig ist bemerkenswert, dass Johannes nicht nur einen Leuchter sieht – entsprechend dem einen Leuchter, der Menora, im Tempel des Alten Testaments. Stattdessen sieht er sieben Leuchter und erhält den Auftrag, an sieben Gemeinden zu schreiben. Jeder Leuchter steht für eine Gemeinde.
Im Alten Testament gab es nur einen Ort der Anbetung. Das ganze Volk sollte nach Jerusalem, zum Haus Gottes, kommen, um dort gemeinsam und in Einheit den Herrn anzubeten. Als König Jerobeam einen zweiten und dritten Anbetungsort einrichtete, war dies eine schwere Sünde.
Im Neuen Testament ist das Prinzip nicht viel anders. Während es im Alten Bund einen einzigen Ort für das ganze Volk gab, sollte es im Neuen Bund lediglich eine Gemeinde in jeder Stadt geben. Sie tragen keine besonderen Namen, sondern sind einfach die vom Herrn herausgerufene Gemeinschaft an ihrem jeweiligen Ort. Ihre Unterscheidung ergibt sich ausschließlich daraus, dass die Gläubigen in unterschiedlichen Städten wohnen.
Dieser Grundsatz des Gemeindeaufbaus zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Neue Testament. Gemäß der Schrift sollte es keine „Petrusgemeinde“, keine katholische oder evangelische Kirche und auch keine Pfingstgemeinde geben. Es soll nur die eine Gemeinde an jedem Ort geben.
Spaltung – ein Werk des Fleisches
Als die Gläubigen in Korinth begannen, sich nach ihrer Vorliebe für bestimmte Personen aufzuteilen, tadelte der Apostel Paulus sie scharf. Er bezeichnete diese Gruppenbildung als Spaltung – als ein Werk des sündigen Fleisches. Gott hat uns jedoch zum Frieden und zur Einheit berufen.
Wenn wir uns an unterschiedlichen Orten versammeln, dann einzig deshalb, weil wir an verschiedenen Orten wohnen – nicht aufgrund von Lehrunterschieden, persönlichen Vorlieben oder unterschiedlichen Glaubenspraktiken.
Gott ruft heraus
Dies ist das Muster der Heiligen Schrift. Doch unser heutiger Zustand sieht völlig anders aus. Sollen wir nun versuchen, die Christen wieder in äußerliche Einheit zusammenzuführen? Ist dies wirklich der Weg, den uns die Schrift zeigt?
Die Gemeinde ist die „Herausgerufene“ – das ist die Bedeutung des griechischen Wortes Ekklesia. Da die Welt in Gottes Augen nicht mehr zu heilen ist, hat Gott uns aus ihr herausgerufen, damit wir nun Jesus Christus angehören und ihm in Einheit und Liebe dienen.
Heute jedoch hat die Gemeinschaft der Christen diesen Stand weitgehend verloren. Es werden viele Versuche unternommen, die Folgen der Spaltungen abzumildern: gemeinsame Aktivitäten, überkonfessionelle Begegnungen und ähnliche Bemühungen. Doch das biblische Muster der Gemeinden wird dadurch nicht wiederhergestellt. Die Spaltungen bleiben bestehen – nur in entschärfter Form. Zudem besteht oft gar nicht der Wunsch, diese Trennungen wirklich zu überwinden.
Sollte Gott nun sein Muster des Gemeindeaufbaus unserem gefallenen Zustand anpassen? Nein. Er ruft uns vielmehr aus dem System der Denominationen heraus, um seine Gemeinde nach seinem Plan zu bauen.
Den Tempel an der früheren Stätte wiederaufbauen
Dies zeigt uns auch die Heilige Schrift:
„Kommt heraus aus ihr, mein Volk, damit ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nicht etwas von ihren Plagen empfangt.“ (Offb 17,4)
Dieser Ruf fordert dazu auf, die Stadt Babylon zu verlassen. Doch wofür steht Babylon in der Bibel?
Das Volk Israel geriet im Alten Testament zweimal in Gefangenschaft. Die erste Gefangenschaft war in Ägypten. Die zweite war in Babylon. Israel hatte schwer gesündigt, und so übergab der Herr sie den Babyloniern. Jerusalem wurde zerstört, das Volk in das Exil geführt.
Dort ging es ihnen nicht einmal besonders schlecht. Sie begannen, Synagogen zu bauen und sich intensiv mit der Heiligen Schrift zu beschäftigen. War das nicht gut genug?
Psalm 137 zeigt die wahre Sicht:
„An den Strömen Babels saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten … Wie sollten wir des HERRN Lied singen auf fremder Erde?“ (Ps 137,1–5)
Später, als die Babylonier von den Persern besiegt wurden, erlaubte König Kyros den Juden die Rückkehr nach Jerusalem. Eine Schar machte sich auf – alle, deren Geist Gott erweckt hatte –, um den Tempel an seiner ursprünglichen Stätte wieder aufzubauen.
Zu Gottes Muster für den Aufbau der Gemeinde zurückkehren
Ist das Vorbild der Schrift nicht eindeutig? Paulus schreibt, dass die Geschichte Israels uns als Beispiel dienen soll. So wie Israel Babylon verließ und nach Jerusalem zurückkehrte, um den Tempel an seiner ursprünglichen Stätte wieder aufzubauen, so sollen auch wir den Zustand der Zerspaltung hinter uns lassen und die Gemeinde am jeweiligen Ort wieder aufbauen.
Damit kehren wir zu dem zurück, was Gott in der Bibel als Muster festgelegt hat.
