Der Sieg über Jericho und Gottes Treue

„Da sprach der HERR zu Josua: Siehe ich habe Jericho, samt seinem König und seinen Kriegsleuten in deine Hände gegeben.“

Josua 6:2

Die befestigte Stadt Jericho

Jericho war die erste Stadt im guten Land, welche das Volk erobern sollte. Sie liegt in der Jordansenke 250 m tiefer als der Meeresspiegel und war zu damaliger Zeit stark befestigt. Auch zu heutiger Zeit ist es noch die geographisch tiefste Stadt der Erde. Obwohl das Volk schon im guten Land angekommen war, warteten immer noch feindliche befestigte Städte auf sie, die vernichtet werden sollten. Das klingt erstmal widersprüchlich und widerstrebt auch häufig unserer Natur, dass nach dem Durchzug des roten Meeres, der Wüste und des Jordans immer noch Kämpfe stattfinden. Und Jericho einzunehmen sollte sogar nicht einmal der letzte Kampf im guten Land sein, wenn auch ein sehr besonderer.

Liebt Gott nicht alle Menschen?

Bei der Einnahme Jericho sind fast alle Bewohner der Stadt ums Leben gekommen, was oberflächlich erstmal einen Widerspruch zur allgemeinen Liebe Gottes darstellt. Haben wir nicht einen Gott der Liebe, der alle Menschen liebt? Warum sollte dann diese Stadt verbrannt werden (vgl. Josua 6:24)? Die anderen Völker im guten Land stellen hier Handlungen und Taten dar, mit denen Gott nicht einverstanden ist. Deshalb sollten die Israeliten sich nicht mit ihnen das verheißene Land teilen. Über diese Völker wird schon früher geschrieben:

„Du sollst nicht also dem HERRN, deinem Gott tun; denn sie haben ihren Göttern getan alles, was dem HERRN ein Gräuel ist und was er hasst, denn sie haben auch ihre Söhne und Töchter mit Feuer verbrannt ihren Göttern.“

5.Mose 12:31

Die Völker im guten Land waren nicht friedliebend, sondern durch Götzen verdorben, bis sie für sie sogar ihre eigenen Kinder verbrannten. Aus heutiger Sicht, ist das eine kaum vorstellbare Grausamkeit.
Aber ist Gott ungerecht, dass er eine ganze Stadt vernichtet? Es gibt eine Familie, die aus Jericho herausgerettet wurde, welche zeigt, dass die Chance auf Errettung wirklich bestand. Diese Familie war das Haus der Hure Rahab, weil sie die Kundschafter bei sich versteckt hatte:

„Durch Glauben fielen die Mauern Jerichos, nachdem man sie 7 Tage umzogen hatte, durch Glauben kam die Hure Rahab nicht um mit den Ungehorsamen, weil sie die Kundschafter mit Frieden aufgenommen hatte.“

Hebräer 11:30-31

Rahabs Entscheidung und ihre Folgen

Hier lohnt es sich noch etwas auf die Rolle von Rahab einzugehen. Bereits in Kapitel 2, als die Kundschafter das erste Mal nach Jericho kamen um die Stadt auszukundschaften, nahm sie diese sehr früh direkt bei sich auf. Schon hier ist die Herzenshaltung von Rahab offenbar. Als der König von Jericho dies erfuhr, forderte er Rahab auf diese Spione herauszugeben. Als sie sich weigert und sogar ihr eigenes Volk belügt begeht sie Verrat und begibt sich selbst in große Gefahr:

“Die gingen hin und kamen in das Haus einer Hure, die hieß Rahab, und kehrten dort ein. Da wurde dem König von Jericho angesagt: Siehe, es sind in dieser Nacht Männer von den Israeliten hereingekommen, um das Land zu erkunden. Da sandte der König von Jericho zu Rahab und ließ ihr sagen: Gib die Männer heraus, die zu dir in dein Haus gekommen sind; denn sie sind gekommen, um das ganze Land zu erkunden. Aber die Frau nahm die beiden Männer und verbarg sie. Und sie sprach: Ja, es sind Männer zu mir hereingekommen, aber ich wusste nicht, woher sie waren. Und als man das Stadttor schließen wollte, da es finster wurde, gingen die Männer hinaus, und ich weiß nicht, wo sie hingegangen sind. Jagt ihnen eilends nach, dann werdet ihr sie ergreifen.“

Josua 2:1b-5

Rahab entscheidet sich in diesem Moment gegen ihr eigenes Volk und gegen den Schutz dieser befestigten Stadt. Sie entscheidet sich ihr eigenes Volk anzulügen ohne eine sichere Gewissheit zu haben, wie es für sie ausgehen würde. Doch in Vers 9 sagt sie „Ich weiß, dass der HERR euch das Land gegeben hat; denn ein Schrecken vor euch ist über uns gefallen, und alle Bewohner des Landes sind vor euch feige geworden.“ In diesem Moment setzt sie ihr Vertrauen auf den Gott Israels, obwohl sie selbst nicht zu seinem Volk gehörte. Ihr ist sogar bewusst, dass sie sich ab hier nicht mehr umentscheiden kann und fordert von den Kundschaftern die Garantie ein, bei der Schlacht um Jericho am Leben gelassen zu werden (vgl. Josua 2:12-13). Diese Garantie wird ihr daraufhin zugesichert und später auch eingehalten.
Über Rahabs Rettung war ihr Handeln deutlich entscheidender als ihre Vergangenheit. Rahab hatte mit Sicherheit kein durchweg vorbildliches Verhalten, im entscheidenden Moment entschied sie sich jedoch richtig. Das hatte zur Folge, dass sie aus einem sehr verdorbenen Bereich herausgerettet wurde, als dieser fiel. Später wurde sie sogar soweit gesegnet, dass sie mit dem gesamten Haus ihres Vaters „mitten in Israel“ wohnen durfte (vgl. Josua 6:25) und sogar Teil des Stammbaums Jesu wurde (vgl. Matth. 1:5).

Diese Welt in der Hand des Feindes

So wie das Volk Gottes an ihrem vorherbestimmten Ort auf Probleme und Kämpfe gestoßen ist, erleben wir auch heute in unserem Leben als Christen immer noch Schwierigkeiten. In 1. Joh. 5:19 steht:

Wir wissen, dass wir von Gott sind und die ganze Welt liegt in dem Bösen.“

Dieser Kampf fand damals statt und ist auch heute noch nicht vorbei. Aber genau so, wie das Volk Israel gemeinsam mit Gott in den verschiedenen Situationen bestehen konnte, können wir das heute auch.

Die ungewöhnliche Kampfstrategie

Der Kampf um Jericho war eine sehr ungewöhnliche Schlacht, da von Gottes Volk keine Waffen zum Einsatz kamen. Die genaue Taktik wird Josua in Kapitel 6 beschrieben:

„Lass alle Kriegsmänner einmal rings um die Stadt herumgehen, und tu so sechs Tage lang. Und lass sieben Priester sieben Posaunen tragen vor der Lade her, und am siebenten Tage zieht siebenmal um die Stadt und lass die Priester die Posaunen blasen. Und wenn man das Horn bläst und ihr den Schall der Posaune hört, so soll das ganze Volk ein großes Kriegsgeschrei erheben. Dann wird die Stadtmauer einfallen, und das Volk soll hinaufsteigen, ein jeder, wo er gerade steht.“

Josua 6:3-5

Zuerst sollte die Stadt stumm umrundet werden und anschließend mit lauten Posaunenklang und Kriegsgeschrei eingenommen werden. Nur mit Musikinstrumenten und der Bundeslade. Diese Strategie war sehr auf den HERRN ausgerichtet. Das Volk hatte in diesem Fall keine andere Wahl, als Gott zu vertrauen, da keine Waffen mitgenommen wurden. Und genau das hatte Gott sichtbar gesegnet. Die dort beschriebene Verheißung wurde kurze Zeit später auch erfüllt und die Stadt durch das Volk eingenommen.

Jericho umrunden, ein Bild auf das Gebet

So wie das Volk durch ihr Lob in der Gegenwart des HERRN diese mächtige Stadt Jericho einnehmen konnte, kann der HERR auch heute durch unser Gebet mächtiges wirken. Auch in der Gemeinde oder unserem Leben versucht der Feind heute immer wieder Befestigungen zu errichten. Genau wie in Jericho die Mauern fielen, kann der Herr auch heute diese Befestigung einreißen. Nicht durch unseren eigenen Kampf, sondern durch unser Gebet und unsere Hingabe.

Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, kämpfen wir doch nicht nach dem Fleisch, denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig bei Gott, zu zerstören Befestigungen.“

2.Korinther. 10:3-4

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