Jesus – mein treuer Lebensbegleiter

„Gott ist treu, durch welchen ihr berufen worden seid in die Gemeinschaft seines Sohnes, Jesus Christus, unseres Herrn.“  (1.Korinther 1:9)

Mit 17 Jahren 1973, am Ostersonntag, hat mich Gott in diese Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus gerufen.

Obwohl ich in einer christlichen Familie aufgewachsen bin, habe ich Jesus vorher nicht gekannt. Ich habe zwar die geborgene Atmosphäre zu Hause geschätzt, doch stellte ich mit 15 Jahren fest, dass ich keine Wirklichkeit von Jesus hatte. Von christlichen Geboten und Traditionen wollte ich mich nicht mehr einschränken lassen. Somit ließ ich erstmals alles hinter mir und bin zwei Jahre meine eigenen Wege gegangen, so wie es mir gefiel. Doch innerlich empfand ich zunehmend eine Leere und ich fragte nach dem Sinn des Lebens. Eines Tages während eines Spaziergangs habe ich dann einfach zu Gott gebetet: „Wenn es dich gibt, du auferstanden bist und lebst, dann will ich dich kennenlernen.“

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich kurzfristig für eine Bläserfreizeit der evangelischen Kirche angemeldet. Ehrlich gesagt war meine ursprüngliche Motivation dort hinzugehen, einen jungen Mann zu treffen, in den ich mich verliebt hatte. Dafür war ich sogar bereit gewesen in vier Wochen Trompete spielen zu lernen. Zu meiner Enttäuschung hatte er sich dann aber kurzfristig abgemeldet. Doch dafür habe ich Jesus kennengelernt.

Am letzten Tag der Freizeit, während des Ostersonntags-Gottesdienstes, zitierte der Pfarrer aus der Bibel in Johannes 14 Vers 6, wo Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater außer durch mich!“. Es war, als stünde Jesus selbst vor mir, und redete zu mir: „Ich bin das, was du suchst! Die Wahrheit und das Leben!“. Ich habe all meinen Widerstand aufgegeben und ihn gebeten in mein Herz zu kommen. Eine große Freude und ein tiefer Friede erfüllten mein Herz. Ich erfuhr, dass Jesus ganz anders ist als christliche Gesetze und Traditionen. Er ist Leben, die Wahrheit und der Weg zum Vater.

Nun sind 48 Jahre vergangen und ich habe nie bereut ihm mein Herz gegeben zu haben. In der Gemeinschaft mit ihm zu leben ist Friede, Freude und Geborgenheit. Auch in den vielen Herausforderungen des Lebens mit seinen Pflichten und Entscheidungen, habe ich in ihm einen treuen Partner gefunden, zu dem ich allezeit kommen kann. Er ist ein wunderbarer Ratgeber und Helfer in allen Nöten und Schwierigkeiten.

Das habe ich besonders im Jahr 1992 erfahren. Inzwischen waren mein Mann und ich sechzehn Jahre verheiratet. Wir wohnten mit unseren sechs Kindern und meinen Schwiegereltern auf einem Bauernhof. Wir waren eine glückliche Familie und besuchten regelmäßig die Versammlungen einer christlichen Gemeinde.

Dann hat sich die Situation schlagartig verändert. Am Dienstag den 5. Mai 1992 – ich spielte gerade mit meinen Kindern im Garten – kam die Nachricht, dass mein Schwiegervater draußen auf der Wiese seinen zweiten Herzinfarkt erlitten hatte, den er nicht überlebte. Das hat meinen Mann sehr getroffen, er nahm Urlaub und organisierte die Beerdigung für den kommenden Freitag. Am Samstagabend, am 9.Mai, ist er auf Grund der Belastung zusammengebrochen, wir waren gerade auf einer Abschlussfeier unserer ältesten Tochter. Zehn Minuten später war er im Krankenhaus, doch trotz aller Bemühungen der Ärzte ist er gestorben, und das gerade mal mit 38 Jahren.

Die Woche bis zur Beerdigung war sehr schlimm. Der Trennungsschmerz war kaum auszuhalten. Die Kinder waren wie erschlagen. Die Älteste war vierzehn und der Jüngste gerade ein Jahr alt. Ich wusste nicht, wie es weitergehen soll und hatte große Angst. Ich habe irgendwie funktioniert, doch konnte ich die Tatsache des Todes noch nicht realisieren. Es kam alles sehr plötzlich, doch in gewisser Weise waren wir schon darauf vorbereitet.

In unseren sechszehn Ehejahren ist mein Mann immer wieder bei starker Belastung zusammengebrochen. Er war deshalb auch öfters im Krankenhaus, doch sie konnten ihm nicht helfen. Der letzte Zusammenbruch, ein Jahr vor seinem Tod, war auch schon lebensbedrohlich. Die Ärzte sagten, wenn es wieder käme, könnten Sie für nichts garantieren. Dieses letzte Jahr lebte er sehr bewusst, er reduzierte die Arbeit und hat sich wieder mehr dem Glauben gewidmet. Die Gemeindeversammlung vor dieser Schicksalswoche war für uns beide ganz besonders. Wir hatten viel Ermutigung und großen Frieden erfahren. Wir ahnten nicht, was auf uns zukommen würde.

Doch konnte ich nicht verstehen, warum das alles passieren musste. Ein erfahrener Glaubensbruder hatte zu mir gesagt, dass ich nicht nach dem „WARUM“ fragen soll. Es steht uns Menschen nicht zu, Gott anzuklagen. In dieser Situation habe ich gelernt Gott zu fürchten und seine Allmacht anzuerkennen. Und mir wurde klar, so unabänderlich der Tod ist, so sicher gibt es auch Gott, ob der Mensch es wahrhaben will oder nicht.

Jeden Morgen habe ich auf den Knien zu ihm geschrien. Er hat mich mit seiner Liebe umhüllt und in meinem Schmerz getröstet. Nie zuvor hatte ich seine Nähe so tief und real erfahren. Es gab Nächte, da lag ich ganz verkrampft vor Angst im Bett, doch Gott hat mir zugesagt: „Ist Gott für dich, wer will gegen dich sein?“ (Römer 8:31). Ich habe erfahren, wie er mir alle praktischen Dinge hat zufallen lassen, durch die Unterstützung der Familie, von Nachbarn, und Glaubensgeschwistern.

Diese Situation anzunehmen war schon ein Prozess mit Höhen und Tiefen. In dieser Zeit hat mir ein Lied besonders die Zuversicht gegeben: „Denn ich weiß, dies alles wendet sich zu meinem Heil, ja es errettet mich!

Manchmal wollte ich aufgeben, doch dann hat er mir zu mir gesagt: „Ich will, dass du lebst und will dir auch alles sein, was du brauchst.“ Er hat mir auch immer wieder die Sicht über den Tod hinaus gegeben. Nach dieser Zusage habe ich mich entschlossen, mich ganz neu für Gott und sein Werk hinzugeben.

Und ich kann heute wirklich sagen, Gott ist treu, er hat alles zum Guten gewendet.

Zwei Jahre später habe ich wieder geheiratet. Gott hat mir einen Mann gegeben, der mit mir den Weg des Glaubens an Jesus Christus ging und auch meine sechs Kinder annahm. Er passte genau in die Situation, und hat zur Freude der Kinder zwei Pferde mit auf den Hof gebracht. Stall, Wiesen und Traktor, alles war schon da. Durch den Bruch seiner ersten Ehe kam er zum Glauben an Jesus Christus. Und so war er am 10. Mai 1992 das erste Mal in der Versammlung der Gemeinde. In dieser Versammlung haben alle Geschwister geweint und gebetet, da es direkt der Tag nach dem Tod meines ersten Mannes war. Ich selbst war dort nicht dabei. Gott hat schon für mich gesorgt, als ich noch gar nicht daran dachte.

Wir haben zusammen noch zwei Töchter bekommen. Da er aus erster Ehe schon vier Kinder hatte, besteht unsere Großfamilie nun aus 12 Kindern und inzwischen 18 Enkelkinder. Wir sind sehr dankbar und wissen, „dass Gott alle Dinge zum Guten zusammenwirken lässt, denen, die ihn lieben“ und „dass uns nichts von seiner Liebe trennen kann, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn!“  (Römer 8:28,39)

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