Bis mich Jesus rief…

Ich war fünfzehn Jahre alt als ich Jesus in mein Leben aufgenommen habe. Das ist heute schon über fünfundzwanzig Jahre her. Es war rückblickend nicht „DAS Riesending“. Meine Mutter hatte damals eine Glaubensschwester zu Besuch. Beide beteten mir vor, wie ich mein Leben Jesus übergeben konnte, worauf ich „nur“ nachgebetet habe. Ich weiß noch, dass ich danach eigentlich nichts „gespürt“ habe. Ich weiß aber, dass die Bekehrung trotzdem stattgefunden hat.
(Wir meinen oft, wenn wir beten, dass wir etwas „spüren“ müssen. Das ist jedoch nicht der Fall; die Bibel sagt uns, dass jedes Gebet erhört wird, dass wir im Glauben und im Namen Jesu wahrhaftig sprechen. (vgl. Johannes 14:13))

Nach meiner Bekehrung lebte ich mein Leben einfach so weiter und dachte nicht darüber nach, ob Gott damit einverstanden war und nicht etwas anderes für mich vorgesehen hatte. Außer meiner Mutter hatte ich auch keine Vorbilder und erst recht keine gläubigen Freunde, die mir ein Leben mit Gott zeigten.  – Und wer hört schon mit fünf- oder sechszehn Jahren auf seine Mutter oder seine Eltern?

So gingen die Jahre dann dahin. Ich lebte wie jeder andere Teenager und Heranwachsender auch. Teil davon waren Partys, weibliche Bekanntschaften, Drogen, Alkohol… – Ich würde sagen ein ganz normales Leben ohne Gott.
So wurde ich älter und mit circa ein- bis zweiundzwanzig Jahren habe ich neue sogenannte Freunde kennengelernt und mit ihnen eine neue Welt, die da hieß: Fußball.
Auf den Punkt gebracht hieß dies Folgendes (ohne Details zu nennen):

  • Jedes Wochenende in den verschiedensten Stadien Deutschlands unterwegs. Oft ging die Fahrt Freitagmittag los und endete erst wieder Sonntagabend zu Hause
  • Viel, sehr viel Bier
  • Ärger mit der Polizei, Pöbeleien und Rangeleien mit anderen Fans, Provozieren, Auffallen…
  • Montagmorgen mit Kater und teilweise sonstigen Spuren wieder arbeiten gewesen

Dies ging ca. 8-9 Jahre lang so, bis ich dreißig Jahre alt war. In manchen Situationen hatte sich schon mein Gewissen bemerkbar gemacht, was ich jedoch gekonnt unterdrückt und verdrängt hatte – man durfte sich ja in der Gruppe keine Blöße geben…

Und dann kam der entscheidende, ja sogar der alles entscheidende Augenblick in meinem ganzen Leben und auch das erste Mal, dass Jesus mir wahrhaftig und ganz real in meinem Leben erschienen ist (er ist mir ein paar Jahre später noch einmal so persönlich und visuell vor Augen getreten).

An einem Freitag waren wir noch mit Arbeitskollegen auf einem Betriebsausflug, an dem ich auch zu viel Bier intus hatte und ich wusste, dass es Samstagmorgen wieder zum Fußball ging (in diesem Fall nach Berlin, also same procedure as every weekend). Ich wachte Samstagmorgen auf, versuchte noch etwas auf den Kater vom Vorabend zu frühstücken und wollte dann zum Treffpunkt aufbrechen.

Just in dem Moment, als ich vom Tisch aufstehen wollte erschien mir Jesus wahrhaftig vor meinen Augen und sagte: „JOHANNES[1], WAS TUST DU DA?“
Ihr müsst wissen, dass ich bis dahin nie nach Jesus gefragt habe oder über ihn nachgedacht hatte. Ich war völlig perplex in diesem Augenblick! Auf einmal waren die ganzen Jahre des „Erlebnis Fußball“ wie weg, als ob es das nie gegeben hätte. Ich hatte von einer Sekunde auf die andere keine Lust mehr auf diesen ganzen Lifestyle. Ich rief meine Freunde an und sagte ihnen, dass ich nicht mehr mitfahre und aus der ganzen Geschichte raus bin (sie waren dann erst einmal sprachlos). Es war wie eine riesige Befreiung aus Ketten, an die ich jahrelang gefesselt gewesen war. Es war wie eine Erlösung, als ob eine riesige Last von mir genommen worden war! Der Sonntag war dann auch gleich der erste Sonntag, an dem ich wieder die christliche Versammlung besuchte.

Wenn ich heute von der Gnade Gottes oder Gnade Christi spreche, dann weiß ich genau, wovon ich spreche! Ich habe sie leibhaftig erfahren. Ich kann bis heute nicht sagen, womit ich das verdient hätte (kein Mensch hat die Gnade Gottes verdient; wir sind alle Sünder – bis heute noch).
Ich bin nur eines: Dankbar! Ich kann das Ganze auch menschlich nicht erklären, sondern nur auf die Gnade Gottes verweisen.

Zurückblickend auf diesen Abschnitt meines Lebens bin ich wirklich erstaunt, wie treu Gott bzw. Jesus in dieser Zeit bei mir war, obwohl ich das nicht wahrgenommen habe. Wenn ich an manche Situationen zurückdenke, ist mir bewusst, vor wieviel Situationen er mich bewahrt hat, an deren möglichen Folgen ich gar nicht zu denken wage.

Am Ende habe ich ganz deutlich erfahren: Die Welt hat nichts aber auch gar nichts zu bieten und kann nie zufrieden stellen.
Wirkliche Zufriedenheit, Frieden und innere Ruhe erhalten wir nur mit und durch Jesus!
Diese Jahre waren der Weg den Jesus mit mir gehen musste und gegangen ist, um dieses erkennen zu können.

Psalm 103:1-5
Preise den Herrn, meine Seele, und all mein Inneres seinen heiligen Namen! Preise den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht alle seine Wohltaten! Der da vergibt alle deine Sünde, der da heilt alle deine Krankheiten. Der dein Leben erlöst aus der Grube, der dich krönt mit Gnade und Erbarmen. Der mit Gutem sättigt dein Leben. Deine Jugend erneuert sich wie bei einem Adler.“

Psalm 27:4
„Eins habe ich vom Herrn erbeten, danach trachte ich: zu wohnen im Haus des Herrn alle Tage meines Lebens, um anzuschauen die Freundlichkeit des Herrn und nachzudenken in seinem Tempel.“

[1] Name geändert (Johannes bedeutet: Gott ist gnädig)


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