Gerechtigkeit, die richtet und Gnade, die rettet!

„Ungerechtigkeit ist relativ leicht zu ertragen, Gerechtigkeit tut weh.“ – Henry Louis Mencken

Die Welt ist ungerecht. Das erkennen wir früh. Spätestens, wenn der kleine Bruder ein größeres Stück Torte abbekommen hat wie man selbst… ungerecht! Wir verlangen so oft nach Gerechtigkeit, empören uns, dass wir ungerecht oder unfair behandelt wurden, aber wissen wir Menschen eigentlich, was wir da verlangen? Wenn wir immer und konsequent Gerechtigkeit fordern würden, müssten wir dann nicht sehr viele unserer Privilegien und Vorteile aufgeben? Was wäre mit dem großen Teil hungernder Menschen gegenüber dem Mann, der gerade auf der anderen Straßenseite auf sein 500€ teures Handy schaut? Und was wäre mit unserer Beziehung zu Gott? Können wir Gerechtigkeit überhaupt ertragen, wenn sie uns absolut und ohne Schonung zuteilwerden würde. Die Antwort ist: Nein!

UNGERECHT!

Wie oft hören oder sagen wir den Satz: „Das ist ja voll gemein, das ist ungerecht!“ Sei es, dass die Eiskugel der Schwester ein klein wenig größer erscheint, dass der Nachbar die Genehmigung für den höheren Dachfirst bekommen hat, wir aber mal wieder natürlich nicht. Sei es, dass andere in dicken Autos umherfahren, aber unser Gehalt gerade mal für einen zwei Jahre alten Gebrauchtwagen reicht. Oder, dass die Freundin mal wieder, obwohl sie natürlich den Abend vor der Prüfung mit Serien schauen beschäftigt war, eine bessere Note geschrieben hat. All das ist doch ungerecht! … Oder?

GERECHTIGKEIT, JA, ABER BITTE NUR ZU MEINEM VORTEIL

John F. Kennedy sagte einmal: „Das Leben ist ungerecht, aber denke dran: Nicht immer zu deinen Ungunsten.“ Wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, so erscheint uns alles, was uns irgendwie einen Nachteil verschafft oder einen Vorteil für den Anderen – nicht für uns – als ungerecht, nicht fair.

So oft empören wir uns über Ungerechtigkeit, beschweren uns lauthals, aber wollen wir wirklich DIE Gerechtigkeit?

Schon wenn man oberflächlich sieht, stellt man fest, dass dies nicht der Fall ist. Niemand will etwas von seinem Wohlstand hergeben und ungerecht ist eine Sache scheinbar auch nur in eine Richtung, nämlich von unten nach oben. Wenn es anderen Besser geht: Empörung! Wenn es anderen schlechter geht: Eventuell ein mitleidiges Achselzucken, aber „da können wir ja nun leider auch nichts machen…“.

Meist wollen wir nur das Beste für uns und die Gerechtigkeit, nach der wir fordern, bleibt ein Mittel, dessen wir uns bedienen, um unsere Argumente stichhaltiger erscheinen zu lassen.

WIR SIND NICHT GERECHT

Also sind wir letztlich nicht gerecht. Die Menschen sind von sich aus nicht gerecht, sie sind eigennützig, egoistisch und versuchen ihren Eigennutz hinter dem Gebrauch des Wortes „Gerechtigkeit“ zu verstecken.

Aber trotzdem schreien wir immer nach Gerechtigkeit? Aber wissen wir überhaupt, was das bedeutet?

WAHRE GERECHTIGKEIT

Es gibt nur einen der wirklich gerecht ist und das ist Gott! Und wenn wir Gott immer wieder vorhalten, ungerecht zu handeln, wenn er Leid, Tod und Krankheit zulässt und wir uns mit vorgestreckter Brust vor ihn stellen und sagen: „Sei doch nicht so ungerecht und behandle uns gerecht!“, wissen wir dann eigentlich, was wir verlangen? Sind wir uns im Klaren darüber, was passieren würde, wenn Gott uns das geben würde, was wir wirklich verdient haben? Wenn er also GERECHTIGKEIT walten lassen würde? Dann würden wir sicher nicht mehr von uns selbst überzeugt vor ihn treten, nach dem Motto, „Ich bin ja so toll, jetzt gib mir auch den gebührenden Lohn dafür.“

GERECHTIGKEIT, DIE RICHTET

Nein, wenn Gott uns das geben würde, was wir verdient haben, würde er uns richtet. Wir könnten überhaupt nicht mehr vor ihn kommen, denn Gott IST gerecht. Er ist heilig. Er ist vollkommen, perfekt … und wir sind das nicht.

Und das ist uns eigentlich allen klar. Wir lügen, stehlen, morden, oder denken auch nur mal ganz kurz schlecht über jemanden, streiten, schauen eifersüchtig auf andere. Das sind alles Eigenschaften, die zwischen uns und Gott eine unüberwindbare Trennung bilden. Denn Gott ist perfekt.

Vielleicht kann man sich fragen, ja wo liegt denn das Problem? Kann nicht Gott einfach perfekt und wir unperfekt sein? Kann nicht er gerecht und wir ungerecht sein? Er weiß ja um unseren Zustand, dann passt das doch? Nein, das geht nicht. Denn genau das ist das Problem, Gott als der Gerechte muss auch Gerechtigkeit fordern.

Man überlege sich einmal folgendes Szenario in einem Gerichtssaal: Der Richter sitzt auf seinem Richterstuhl und sieht einen Menschen, der jemanden umgebracht hat in den Gerichtsaal kommen. Der Mann wird angeklagt und der Richter blättert in seinen Gesetzesbüchern. Als die Verkörperung der Gerechtigkeit, sucht er den Begriff „Mord“ und findet als Konsequenz: Lebenslange Haft“. Für den Richter ist die Sache also klar: Er steht auf und verkündet das Urteil – das gerechte Urteil.

Denn Gerechtigkeit fordert Gerechtigkeit. Wenn jemand etwas Böses gemacht hat, muss er auch dafür geradestehen.

Aber, was wenn der Mörder schon längst bereut, was er getan hat? Was, wenn er auf einmal vor dem Richter auf die Knie fällt und ihn anfleht er möge doch gnädig sein, denn er bereue seine Tat zutiefst? Der Richter würde in sein Gesetzesbuch schauen, würde den Kopf schütteln und verneinen. Nein, von ihm werden gerechte Urteile gefordert, er kann nichts gegen das Gesetz tun. Aber der Mann bittet und weint immer weiter und der Richter bekommt Mitleid mit diesem armen Mann.

Und genau so geht es Gott mit uns. Er kann unsere Ungerechtigkeit nicht einfach vergessen, nicht einfach „Gras drüber wachsen lassen“, er MUSS uns richten. Aber eigentlich möchte er nicht das harte Urteil über uns aussprechen, er möchte uns Gnade erweisen. Und genau das TUT Gott!

GNADE, DIE RETTET

Denn Gott ist auch ein „gnädiger Gott“ (Psalm 86:15)! Gott macht das Unmögliche möglich und erweist uns Gnade! Und er kann uns dadurch von der Konsequenz unseres Handelns, dem Tod erretten. Und trotzdem bleibt er als die Gerechtigkeit gerecht! – Wie geht das?

EINE ABSOLUT PERFEKTE LÖSUNG

Gott kam selbst in Form eines Menschen, als Sohn auf die Erde und bezahlte für unsere Schuld. Gott bezahlte für uns, denn wie im oben beschriebenen Beispiel, muss jede Straftat, die begangen wird, bezahlt werden. Jemand musste also mit dem Tod bezahlen, damit wir leben und gerecht gesprochen werden konnten.

So bezahlte Jesus für UNS am Kreuz, die Gerechtigkeit war erfüllt. Das tat die GNADE – Nicht wir müssen bezahlen, ER hat schon bezahlt!

Ein Lied bringt das sehr schön zum Ausdruck: „Meine Rechnung ist gestrichen, weil ein reicher Bürge kam, der mit seinem Blut beglichen und die Zahlung auf sich nahm, nicht ein Heller blieb mir stehen, Millionen sind gebüßt. Oh, wie wäre mir geschehen, wenn ich selber zahlen müsst!“

WIR BRAUCHEN DIESEN BÜRGEN, UM GERECHT ZU SEIN

Wenn wir also Gerechtigkeit fordern wollen, müssen wir darin konsequent sein. Fordern wir Gerechtigkeit in der einen Sache, müssen wir auch in den tausenden von anderen Sachen Gerechtigkeit fordern, auch, wenn es uns zum Nachteil wird.

Können wir das? Tut das irgendjemand? Wenn wir ehrlich sind, nein. Niemand fordert immer die Gerechtigkeit, handelt immer gerecht, ist immer gerecht.

Nur Gott allein. Und deshalb brauchen wir die GNADE! Und diese Gnade erhalten wir nur durch Jesus Christus. Er erfüllte das Gesetz, alle Gerechtigkeit und deshalb dürfen wir nun frei vorwärtskommen zu dem Thron der Gnade!

„Darum lasst uns mit Freimut vorwärts kommen zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe.“ – Hebräer 4:16, Die Bibel

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